Wer kennt ihn nicht, den roten Klatschmohn, der in den Sommermonaten die Straßenränder säumt oder in ganzen Mohnfeldern die Landschaft fröhlich färbt? Dabei ist Mohn auch ein beliebtes Gewürz vor allem für unterschiedliche Gebäcke und war lange Zeit nicht als Heilmittel aus verschiedenen schmerzstillenden Rezepturen wegzudenken. So wird zwar nicht der rote Klatschmohn, dafür aber der nah verwandte Schlafmohn, auch Blaumohn oder Gartenmohn genannt, in der Küche und bei der Herstellung von Medikamenten verwendet.

Herkunft

Der Mohn zählt zunächst zu den ältesten Kulturpflanzen Europas. So konnte seine Kultur und Verwendung auf südeuropäischem Gebiet bis in die Jungsteinsteinzeit und damit 6.000 Jahre v. Chr. zurückverfolgt werden. Außerdem wurde er auch in Keilschriften aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. bereits erstmals als Pflanze erwähnt, aus der Arzneimittel hergestellt werden konnten. Von wesentlicher Bedeutung ist dabei die Herstellung von Opium auf der Basis von Schlafmohn, dessen Verwendung insbesondere in Ägypten um 1.800 Jahre vor Chr. nachgewiesen werden konnte. Auch im alten Griechenland wurde der Schlafmohn für die Herstellung von Opium für kultische Handlung verwendet, und im römischen Reich galt Opium schließlich sogar als Wunderdroge. Während das frühe Christentum in Mitteleuropa Opium zunächst verbot, wurde es hier durch die arabische Medizin im Frühmittelalter wiederentdeckt und unter anderem von der bekannten Heilerin Hildegard von Bingen beschrieben. Aufgrund seiner berauschenden Wirkung unterliegt der Anbau von Schlafmohn heute in Deutschland jedoch der Genehmigungspflicht. Er wird aber vor allem im arabischen Kulturkreis und hier insbesondere in Afghanistan sowie in südeuropäischen Ländern und der Türkei angebaut.

Art

Der lateinische Name des Schlafmohn lautet 'Papaver somniferum', wobei 'somniferum' 'schlaf bringend' bedeutet. Der Schlafmohn gehört zur Familie der Mohngewächse und kann als krautige Pflanze Wuchshöhen von 30 bis 150 Zentimetern erreichen. Der Mohn blüht außerdem von Juni bis August und hat relativ große, runde Kapselfrüchte, in welchen hunderte von kleinen Samen - die Mohnsaat - enthalten sind. Aus der Frucht des Mohn selbst tritt bei Verletzungen des Fruchtfleisches außerdem weißer Milchsaft aus, welcher zugleich die Hauptkomponente bei der Opiumherstellung ist. Die Mohnsaat selbst enthält schließlich auch Öl, weshalb sie schnell ranzig werden kann und stets frisch verbraucht werden sollte.

Verwendung

Trotz der reglementierten Anbaumöglichkeiten von Mohn für pharmazeutische Zwecke erfreut er sich noch immer großer Beliebtheit in der Küche und Backstube. So hat Mohn - und hier die Mohnsaat, die nahezu keine berauschenden Substanzen enthält - ein zartes, nussiges Aroma, das vielen Süßspeisen als Gewürz beigefügt wird oder diese sogar maßgeblich dominiert. So gibt es Brötchen, die mit Mohn bestreut werden und Mohnstrudel mit einer feuchten Mohnfüllung sowie natürlich den bekannten Mohnkuchen in den unterschiedlichsten Ausführungen. Sehr beliebt ist der Mohn auch bei Germknödeln, die ohne ihn auf der zugegebenen Vanillesoße wohl nur halb so gut schmecken. Darüber hinaus kommt Mohn manchmal auch in der deftigen Küche zum Einsatz - so wird beispielsweise gemahlener, weißer Mohn für Currys und Soßen benutzt. Dabei hat die Mohnsaat, die gemahlen, aber auch ungemahlen gefunden werden kann, einen hohen Anteil an Calcium und B-Vitaminen. Sie ist außerdem relativ ölig und wird daher auch zu Öl verarbeitet und hier insbesondere für Salate und Kaltspeisen, aber auch in der Farbenherstellung oder sogar für Kosmetika verwendet.

Wirkungen auf die Gesundheit

Die Hauptwirkung des Mohn auf den Körper des Menschen ist in seiner bereits beschriebenen schmerzstillenden, berauschenden und betäubenden Eigenschaft zu sehen. Somit wirkt er außerdem krampflösend, hustenreizstillend und schlaffördernd und wurde daher in vielen Kulturen und über viele Jahrtausende hinweg gegen Schmerzen, zur Betäubung bei Operationen, aber auch als Droge ohne medizinische Indikation eingenommen. Wegen seiner starken Suchtwirkung und der damit einhergehenden Gefahr für die Gesundheit ist sein Anbau heute in vielen Ländern genehmigungspflichtig und nur eingeschränkt erlaubt. In der Pharmaindustrie wird er jedoch regelmäßig noch für die Herstellung von Opiumpräparaten verwendet und hier hauptsächlich noch bei Krebspatienten gegeben. Von den Mohnsamen, die als Gewürz verwendet werden, gehen jedoch in der Regel keine gesundheitlichen Risiken aus - so sind die Nachweise von Opiumsubstanzen in der Mohnsaat zumeist auf Kontaminationen mit der Milch aus dem Fruchtfleisch der Fruchtkapseln zurückzuführen. Damit ist der Mohn eine der wenigen Heilpflanzen, die eine nachgewiesene, starke Wirkung auf den menschlichen Organismus haben. Seiner Beliebheit als Gebäckzugabe schadet sein deswegen oftmals schlechter Ruf jedoch keinesfalls.